Die Tageszeitung "Kurier" titelt in ihrer heutigen Ausgabe (Samstag, 23. März 2024): "Bis zu 150 Kirchen weniger: Brisante Studie der Erzdiözese Wien". Der Artikel erweckt den Eindruck, als plane die Diözesanleitung tatsächlich systematische Kirchenschließungen. Dem ist nicht so.
Der "Kurier" bezieht sich auf ein internes Dokument mit dem Titel "Verwerfungen". Dr. Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien, betont, dass es sich bei diesem Dokument um keine Studie handelt, sondern um eine Reihe von Zahlenspielen mit dem Zweck, die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit den Ressourcen zu verdeutlichen.
Prüller wörtlich: Die dabei genannten Zahlen haben keine wissenschaftliche Basis, sondern sind simple lineare Trendfortschreibungen („Wenn der Trend genau so weitergeht…“) ohne Anspruch auf Genauigkeit und haben somit eher den Charakter eines Gedankenexperiments.
Kein Mensch in der Diözese denkt daran, 14 Kirchen pro Jahr abzugeben. Die Zahl zeigt freilich, dass wir aktiv mit dem Faktum umgehen müssen, dass die Belastungen je Katholiken steigen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir 0,6 Kirchen pro Jahr abgegeben – und derzeit gibt es konkretere Überlegungen für weitere drei, die in den nächsten zwei Jahren schlagend werden könnten.
Es wird wohl aufgrund der abnehmenden Ressourcen in den kommenden Jahren damit zu rechnen sein, dass wir noch weitere Kirchen abgeben werden, aber mit Maß und Ziel, auch wenn der steile Anstieg von Bau- und Erhaltungskosten die Sache naturgemäß den Pfarren zusetzt. Der Ball liegt hier vor allem bei unseren 139 Entwicklungsräumen, die aufgefordert sind, in nächster Zeit pastorale und wirtschaftliche Gebäudepläne zu erstellen: Welche Gebäude wollen und können wir mittel- und langfristig erhalten? Vor allem am Land betrifft das eher nicht-sakrale Gebäude wie Pfarrhöfe und ähnliches, fallweise sicher aber auch Gottesdienststätten.
Es geht hierbei auch nicht nur um Behalten oder Abgeben, sondern zum Beispiel auch um erweiterte oder veränderte Nutzung. Ein Beispiel ist „Frieda“: das ehemalige Pfarrzentrum der Pfarre Krim in Wien 18 ist nun ein „Grätzlzentrum“, das die Pfarre auch nicht-kirchlichen Initiativen aus dem Grätzl zur Verfügung stellt. Ein anderes Beispiel wäre der Umbau eines bisherigen Pfarrhofs in ein Mietshaus, dessen Einkünfte langfristig den Erhalt der Pfarrkirche sichert. Bei Kirchen gibt es auch internationale Vorbilder, wie man den zu groß gewordenen Kirchenraum verringert und den dabei freiwerdenden Raum anderweitig nutzt, etwa an soziale Einrichtungen vermietet. Da gibt es viel Phantasie und gute Best- practice-Beispiele aus dem Ausland – ein Schatz, den wir in den kommenden Jahren heben wollen und müssen.
Für die Abgabe ganzer Kirchengebäude gilt auch in Zukunft, dass vordringlich eine Abgabe an andere christliche Konfessionen geprüft werden soll. Lückenlos wird das nicht umsetzbar sein; es gibt immer wieder Konstellationen, wo der Standort oder das Gebäude dafür ungünstig sind – wie es etwa schon bei der Klosterkirche in Korneuburg der Fall war.
Weiters betont Prüller: "Uns geht es primär um die Menschen. Daher wollen wir auch, was die Gläubigen betrifft, wachsen. Nicht, um unsere Gebäude besser finanzieren zu können, sondern weil wir weitergeben wollen, was wir selber durch den Glauben an Sinn, Kraft und Freude erfahren haben. Mit wie vielen Kirchen wir das tun, ist sekundär und wird sich nach dem finanziell Machbaren richten müssen. Für uns heißt das im Ressourceneinsatz: intelligent sparen. Ein Teil ist der oben genannte Gebäudeplan je Entwicklungsraum. Ein Teil ist die konsequente Reduktion von Doppelgleisigkeiten. Ein anderer Teil ist das genaue Schauen darauf, welche Institutionen und Initiativen, die in Zeiten größerer Ressourcen entstanden sind, heute noch daseinsnotwendig sind. Also: Loslassen, Neues angehen, kreativ und punktgenau als Minderheit in die Gesellschaft wirken.
Wir haben nur noch ein paar Jahre, in denen unsere Bilanzreserven ein Defizit finanzieren können, daher führt am Sparen jedenfalls kein Weg vorbei. Aber bei allem Sparen haben wir jedenfalls auf lange Sicht immer noch die Mittel, um flächendeckend den Menschen in unserem Diözesangebiet nahe sein zu können. Mit einem weitmaschigeren Netz an bezahlten Seelsorgern und Kirchengebäuden – aber, so hoffen wir, in einem noch stärkeren und erfüllteren und daher auch anziehenden Miteinander aller Katholiken. Weil ja jeder Getaufte und Gefirmte von Gott in seinen Dienst an den Menschen gestellt worden ist."