Viera Pirker, eine renommierte Mediendidaktikerin, betont die enormen Chancen, die die von Plattform Instagram der Kirche bietet. In ihrem kürzlich veröffentlichten Sammelband "Religion auf Instagram" hebt sie hervor, dass die Plattform mit ihren rund zwei Milliarden Nutzern ein bedeutender Ort für religiöse Interaktion ist. Pirker, die früher in Wien lehrte und nun in Frankfurt tätig ist, unterstreicht, dass Instagram vielfältige Möglichkeiten für kirchliche Aktivitäten bietet, die weit über das rein Virtuelle hinausgehen.
Ein Beispiel für gelungene kirchliche Präsenz auf Instagram ist der offizielle Account von Papst Franziskus (@pontifex), der mit über neun Millionen Followern eine der größten katholischen Erfolgsgeschichten darstellt. Besonders im deutschsprachigen Raum zeigt sich ein unterschiedliches Engagement der kirchlichen Vertreter auf Instagram. Kardinal Christoph Schönborn zeigt mit aktuell 15.790 Followern eine starke Präsenz, dem Account der Erzdiözese Wien folgen 6.686 Userinnen und User, Weihbischof Stephan Turnovszky 2018. Der Feldkircher Bischof Benno Elbs hat 5.841 Follower, seine Amtskollegen Hermann Glettler (Innsbruck) 4.643, Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau) 1.824 und Alois Schwarz 859 Follower.
Doch auch andere Persönlichkeiten wie Sr. Sophia (@sistersoflife), die Einblicke in ihr Klosterleben gewährt, oder der Bestsellerautor Anselm Grün (@anselmgruen) zeigen, wie man mit authentischem Engagement eine große Anzahl von Menschen erreichen kann. Besonders faszinierend findet Pirker die Offenheit für verschiedene Formate der Verkündigung und Präsenz im katholischen Bereich. Initiativen wie #OutInChurch stellen herkömmliche Hierarchien auf den Kopf und geben marginalisierten Gruppen eine Stimme, was sie als zutiefst christlich betrachtet.
Für Pirker betont, dass Instagram nicht nur oberflächlich ist, sondern auch einen intimen Raum für persönliche Beziehungen bietet. Als Mediendidaktikerin sieht sie in den sozialen Medien eine Chance für religiöse Bildung und hebt die Bedeutung von qualitativ hochwertigen Inhalten hervor, um eine größere Reichweite zu erzielen. Instagram kann zwar bestimmte religiöse Handlungen wie sakramentale Vollzüge nicht ersetzen , bietet jedoch Raum für inspirierende Inhalte und neue Formen der Andacht. Diakonische Perspektiven könnten auf der Plattform zwar präsent sein, erreichen jedoch nicht immer die gewünschte Aufmerksamkeit.