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27.07.2023

Tisha B'Av: Ein Tag des Gedenkens und Fastens

Der jüdische Trauer- und Fasttag Tisha B’Av am 9. Tag des Monats Av fällt heuer auf den 26./27 Juli. Er erinnert an eine Vielzahl von tragischen Ereignissen, die sich im Laufe der Geschichte an diesem Datum ereignet haben.

Nach rabbinischer Tradition gedenkt das Volk Israel mit Fasten und besonderen Gebeten an diesem Tag  fünf besonderer Unglücke im Lauf seiner Geschichte:

  • Der Exodus: Es wird berichtet, dass die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung Späher aussandten, um das verheißene Land zu erkunden. Doch aufgrund der beängstigenden Berichte, die diese mitbrachten, weigerte sich das Volk, in das Land einzuziehen. Als Folge dieser Ablehnung verhängte Gott das Urteil, dass sie 40 Jahre in der Wüste umherziehen sollten. Obwohl das Buch Numeri, Kapitel 13, keine spezifische Datumsangabe enthält, wird dieses Ereignis gemäß Überlieferung mit dem 9. Av in Verbindung gebracht.
  • Die Zerstörung des ersten Tempels: Im Jahr 586 v. Chr. wurde der erste Tempel in Jerusalem von den Babyloniern unter König Nebukadnezar zerstört. Das Königreich Juda wurde besiegt und viele Judäer wurden ins Exil nach Babylon verbannt.
  • Die Zerstörung des zweiten Tempels: Im Jahr 70 n. Chr. wurde der zweite Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört, was zu einer weiteren schmerzhaften Periode für das jüdische Volk führte.
  • Der Bar-Kochba-Aufstand: Im Jahr 135 n. Chr. scheiterte der Bar-Kochba-Aufstand, ein jüdischer Aufstand gegen die römische Herrschaft. Die Stadt Betar wurde erobert, und Schimon bar Kochba, der Anführer des Aufstands, wurde getötet.
  • Die Zerstörung Jerusalems: Im Jahr 136 n. Chr. wurde die Stadt Jerusalem von den Römern dem Erdboden gleichgemacht.

Diese tragischen Ereignisse sind im Gedächtnis Israels  präsent und machen den neunten Av zu einem Tag der Trauer und des Fastens.


Wie wird dieser Tag beobachtet?

Das Fasten beginnt am Vorabend des neunten Av bei Sonnenuntergang und endet am nächsten Abend bei Einbruch der Dunkelheit. Wenn der Gedenktag auf den Sabbat fällt, wird das Fasten um einen Tag verschoben. Während des Fastens am neunten Av befolgen die Gläubigen strenge Regeln, darunter:  Kein Essen oder Trinken, kein Tragen von Lederschuhen, kein Baden oder Waschen (es sei denn, es ist aus religiösen Gründen erforderlich), keine Verwendung von Salben oder Creme, keine Eheschließungen oder intime Beziehungen, kein Sitzen auf normalhohen Stühlen, bis die Sonne ihren Höhepunkt erreicht hat,  keine intensiven Torah-Studien, außer den traurigen Passagen, die sich mit der Zerstörung des Tempels befassen, keine Geschenke oder gegenseitigen Begrüßungen (es ist jedoch erlaubt, auf Grüße zu antworten), keine Ausflüge oder Vergnügungsaktivitäten, keine festliche Kleidung tragen.

 

Der Tag beginnt mit der Rezitation der Klagelieder in der Synagoge und speziellen Gebeten. Viele Gemeinden halten am Vorabend auch eine Mahlzeit, die "seudah hamafseket" genannt wird, bevor das Fasten beginnt. Diese Mahlzeit besteht aus Brot und einem hartgekochten Ei, das in Asche getaucht wird, begleitet von Wasser. Sie wird allein auf einem niedrigen Hocker eingenommen, um das Gefühl der Trauer zu verstärken.


Arbeit ist an diesem Tag erlaubt, aber es wird nicht empfohlen, da der Fokus auf Trauer und Buße liegen sollte. Nach Einbruch der Dunkelheit, wenn das Fasten vorbei ist, wird Netilat Yadayim (Händewaschen) durchgeführt, gefolgt von Kiddush Levanah (Gebet zur Feier der Neugeburt des Mondes) und der Hoffnung auf die Wiedergeburt des jüdischen Volkes.

 

Trauer und doch Hoffnung

Obwohl Tisha B'Av ein Tag der Trauer ist, gibt es auch einen Hauch von Hoffnung und Freude. Viele beten für die Wiederherstellung des Volkes Israel und hoffen auf eine bessere Zukunft mit der Ankunft des Messias.