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19.06.2023

Priesterweihe in Wien - Kardinal Schönborn: Jesu Handeln ist das Maß

Kardinal Schönborn hat im Wiener Stephansdom sieben Wiener Seminaristen und einen Ordensmann zu Priestern geweiht. Der Erzbischof betonte die  Bedeutung Jesus als Maßstab für das Handeln des Priesters.

Im Wiener Stephansdom fand am Samstag die größte Priesterweihe des Jahres 2023 in Österreich statt. Kardinal Christoph Schönborn legte dabei acht Männern die Hände auf. In seiner sehr persönlich gehaltenen Predigt vor über 1.000 mitfeiernden Gläubigen betonte der Wiener Erzbischof, dass die Aufgabe eines Priesters nicht nur darin bestehe, Sakramente zu spenden, sondern dass er selbst durch sein "Menschsein" ein "Sakrament, Zeichen und Werkzeug der Gegenwart Jesu" sein solle. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sei es lebenslang notwendig, sich mit Jesus Christus vertraut zu machen, von ihm geprägt zu werden und eine lebendige und direkte Beziehung zu ihm zu pflegen.

 

Der Maßstab sind die Augen und das Herz Jesu

 

Schönborn räumte ein, dass es eine Herausforderung sei, einen von Jesus inspirierten Umgang mit anderen Menschen zu pflegen. Jesus habe ein eheloses Leben geführt und dennoch eine einzigartige Liebe verkörpert. Er habe sich von menschlicher Not nicht abschrecken, sondern berühren lassen, da er tiefes Mitgefühl empfunden habe. Der Kardinal betonte, dass wenn Jesus bedingungslose Liebe für alle Menschen gezeigt habe, dies auch für die Teilnehmer der Regenbogenparade, die sich an diesem Samstag in tausender Zahl durch die Wiener Innenstadt zog. Ebenso sollten wir als Christen "den Maßstab an den Augen und am Herzen Jesu nehmen", wenn wir auf die jüngste Flüchtlingstragödie im Mittelmeer reagieren.

 

Für Priester müsse das Evangelium stets das entscheidende Kriterium sein, das sie einfach und lebendig verkünden sollten, so Schönborn. Es gehe nicht um "Geschichten oder eigene Ideen, sondern darum, das Evangelium authentisch weiterzugeben".

 

Die Feier der Gegenwart Gottes in der Eucharistie solle das Herz und die Mitte des priesterlichen Dienstes sein, da es das größte Geschenk sei, das ihnen anvertraut werde. Der Kardinal betonte auch die Bedeutung des Versöhnungsdienstes, sowohl in der geistlichen Begleitung als auch im Bußsakrament. Priester sollten eine außerordentliche Liebe zu den einfachen Menschen, den Armen und den Kindern haben und ihnen ein besonderes Herz entgegenbringen. Ihr Ziel solle es sein, nicht vorzustehen, sondern zu helfen.

 

Auf verschiedenen Wegen zum Dienst am Volk Gottes

 

Die acht Neupriester haben unterschiedliche Berufungswege hinter sich. Vier von ihnen wurden im Wiener Erzbischöflichen Priesterseminar ausgebildet, darunter Christoph Dippl (54) aus Niederbayern, der Elektroniker und Fachtheologe ist und während seines Diakonatsjahres in der Wiener Neustädter Dompfarre tätig war. Korbinian Parzinger (32), ebenfalls in Deutschland geboren, ist Feinwerkmechaniker und Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel. Seine Primizfeier wird er in der Wiener Pfarre Rossau abhalten. Franz Vala (43) stammt aus Krems/Donau und hat vor seinem theologischen Studium Vergleichende Literaturwissenschaften studiert. Er war als Diakon in der Pfarre Feuersbrunn tätig. Beim vierten Kandidaten handelt es sich um Mag. Michael Semmelmeyer (28), gebürtig aus Schöngrabern im Weinviertel. Er war zuletzt Diakon im Tor zur Buckligen Welt.

 

Drei der neuen Priester wurden im Wiener Missionskolleg "Redemptoris Mater" ausgebildet. Gaheris Diaz Betancourt (42) aus Mexiko war während seines Diakonatsjahres in der Wiener Pfarre "Maria Namen" tätig. Francisco Jose Frias Meza (31) aus Venezuela war vor seinem Eintritt ins Priesterseminar Apotheken-Hilfskraft und Mathematiklehrer und diente als Diakon in Wien Döbling-St. Paul. Fernando Jose Heredia Guedez (34), ebenfalls aus Venezuela, war Diakon in der Wiener Pfarre St. Benedikt am Leberberg. Zudem wurde Markus Möslang (29) aus Karlsruhe, Deutschland, der Mitglied der Brüder-Samaritern FLUHM ist und zuletzt in Retz tätig war, als Ordensmann zum Priester geweiht.

 

 

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Ein Dienst im Namen und im Auftrag Christi

 

Die Priesterweihe ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Dem Katechismus der Katholischen Kirche zufolge prägt sie dem Weihekandidaten ein "unauslöschliches Siegel" ("charcter indelebilis")  ein, macht ihn Christus, dem ewigen Priester, gleichförmig und befähigt ihn, 'im Namen Christi, des Hauptes', zu handeln". Mit der Weihe erhält der Priester den Auftrag, das Evangelium zu verkünden, den Gottesdienst zu feiern, insbesondere die Eucharistie, und ein Hirt für die Gläubigen zu sein.

 

Die Weihe besteht im Wesentlichen aus der Handauflegung durch den Bischof mit dem feierlichen Weihegebet. Zuvor nimmt der Bischof das Weiheversprechen entgegen und betet mit der ganzen Gemeinde für die Weihekandidaten unter Anrufung der Heiligen. Die Kandidaten verharren dabei vor dem Altar ausgestreckt.("Postratio"). Auf die eigentliche Weihe durch Handauflegung und Weihegebet folgen die "ausdeutenden Zeichen": das Anlegen der priesterlichen Gewänder, die Salbung der Hände, die Überreichung von Brot und Wein als eucharistische Gaben sowie ein abschließender Friedensgruß.

 

Kardinal Schönborn: 4 Priesterweihen innerhalb weniger Wochen

 

Kardinal Schönborn hat bereits am 18.Mai drei Zisterzienser in Heiligenkreuz, am 20. Mai drei  Dominikaner in S. Maria Rotunda/Wien geweiht. Am kommenden 24. Juni wird er 7 Priesteramtskandidaten der Fraternità di San Carlo Borromeo in der römischen Basilika St. Paul vor den Mauern zu Priestern weihen.