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13.06.2023

Christentum und Politik - Wolfgang Sobotka im Gespräch mit Matthias Beck

Nationalsratspräsident Sobotka im Gespräch mit Prof. Beck: "würde mir von der Kirche mehr Klarheit bei gesellschaftlichen und spirituellen Themen wünschen."

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) und der Moraltheologe Prof. Matthias Beck diskutierten gestern Abend in Wien zum Thema "Christentum und Politik . Sobotka unterstrich dabei, dass politisches Engagement und christliche Überzeugungen sich nicht widersprechen, sondern vielmehr einen gemeinsamen Kern haben. jeder gute Christ  sei auch ein Politiker, so der Nationalratspräsident, denn es sei eine christlichen Haltung, für andere da zu sein und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. "Dafür bin ich in die Politik gegangen", so Sobotka wörtlich.

 

Der Nationalratspräsident sprach auch über das Verhältnis zwischen der Katholischen Kirche und der Sozialdemokratie in der Zweiten Republik. Er lobte das Bemühen um Aussöhnung und betonte den Abbau historischer Spannungen. Dennoch warnte er vor einem Rückzug der Kirche aus gesellschaftspolitischen Fragen. Er äußerte den Wunsch nach mehr Klarheit seitens der Kirche zu gesellschaftlichen und spirituellen Themen, insbesondere in Bezug auf den Schutz des Lebens, Ehe und Familie.

 

Sobotka würdigte jedoch das Engagement der Kirche und der Christen in anderen politischen Bereichen, wie Bildung, Kultur, Sozialarbeit und Umweltschutz. Er betonte, dass die Kirche sich nicht parteipolitisch instrumentalisieren lassen solle, aber dennoch eine aktive Rolle bei den Anliegen der Gesellschaft spielen könne.

 

Prof. Beck betonte die Problemlösungskapazität eines aufgeklärten Christentums in gesellschaftlichen Fragen.  Ein solches hat, so Beckt "eine hohe Problemlösungskapazität in gesellschaftlichen Fragen." Diese könne aber nur eingelöst werden, wenn die Kirche die Menschen nicht von oben herab entmündigt. "Das Christentum ist vernünftig, weil es eine Logos-Religion ist", betonte der Theologe, Mediziner und Pharmazeut, der  u.a. Mitglied der vatikanischen Akademie des Lebens und der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt ist.


"Die Würde des Menschen ist unantastbar", - diese juristische Formulierung aus dem Deutschen Grundgesetz sei inhaltlich deckungsgleich mit dem christlichen Menschenbild, weshalb das Christentum für die Politik relevant bleibe, so Beck. Im Christentum gehe es immer um den je einzelnen Menschen in seiner Verantwortung für sich und die anderen. "Viele sind nicht gemeinschaftsfähig, weil sie es nicht mit sich selbst aushalten", so Beck. Von daher müsse die Kirche dabei helfen, dass Menschen ihren Sinn im Leben und ihre Berufung finden. Das erst mache Menschen auch in Krisen, wie zuletzt in der Pandemie, in geistiger Weise resilient.