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01.06.2023

Erzbischof Cyril Vasil': Katholische Ostkirchen sind bedeutsam für Gesamtkirche

Erzbischof Cyril Vasil', Eparch von Košice zur Bedeutung der "Wiener Synode vor 250 Jahren und die Bedeutung der katholischen Ostkirche für Ekklesiologie und Spiritualität"

Vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2023 trafen sich griechisch-katholische Bischöfe aus verschiedenen Ländern Mitteleuropas in Wien, um der "Wiener Synode" vor 250 Jahren zu gedenken. Diese von Maria Theresia im Jahr 1773 einberufene Versammlung hatte einen prägenden Einfluss auf die katholischen Ostkirchen in Transkarpatien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Kroatien und Serbien. Erzbischof Cyril Vasil', Bischof der Eparchie Košice im Osten der Slowakei und Initiator des Treffens, betonte die Wichtigkeit, sich auf diese gemeinsamen Wurzeln zu besinnen, um auf dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte und Prägung auch aktuelle Herausforderungen zu diskutieren. „Unsere Kirchen sind vielleicht etwas konservativer und ländlicher geprägt, aber die Welt von heute kennt solche Grenzen nicht, und wir können uns den Herausforderungen nicht entziehen. Im Zeitalter des Internets sind unsere Gläubigen mit den gleichen Themen konfrontiert wie die Menschen in Philadelphia, Paris und Wien. Das müssen wir uns bewusstmachen. Unsere Aufgabe als Kirche ist es, die Gesellschaft, in der wir leben, neu zu evangelisieren“, so Vasil' wörtlich.

 

Der Erzbischof hob die Verbundenheit und gegenseitige Freundschaft unter den Bischöfen hervor. Das Treffen sei keine Synode im kirchenrechtlichen Sinn gesesen sondern eher ein „Familientreffen zum brüderlichen Austausch“. Das Treffen in Wien sei daher von großer Bedeutung, um gemeinsame Lösungsansätze zu finden.

 

Vasil' machte deutlich, dass die griechisch-katholischen Kirchen auf dem Gebiet der früheren Donaumonarchie aus einer Zeit der Verfolgung und Unterdrückung neu hervorgegangen sind, sich aber schnell in eine veränderte, moderne Gesellschaft eingebunden wurden. Die steigende Säkularisierung und neue Ideologien, die grundlegende christliche Werte wie die Familie infrage stellen, seien nun Herausforderungen, auf die die einzelnen Kirchen geeignete Antworten suchen müssten.

 

Keine "katholische Mogelpackung" für Proselytismus

 

Zum eigenen Verständnis katholischer Ostkirchen betonte Erzbischof Vasilj, der vor seiner Rückkehr in die Slowakei Sekretär des vatikanischen Dikasteriums für die katholischen Ostkirchen war, dass sich diese Kirchen als vitale Teil der katholischen Kirche und nicht als „Brücken zur Orthodoxie“ verstehen. Brücken seien nur Instrumente und hätten weder Eigenleben noch Identität. "Wir verstehen uns als Realität innerhalb der katholischen Kirche mit einer ekklesiologischen Bedeutung für die Gesamtkirche und keine 'katholische Mogelpackung', um Orthodoxe in proselytischer Absicht anzuziehen“, so Vasilj, der zugleich betonte, dass das Verhältnis zu den orthodoxen Kirchen heute sehr unterschiedlich sei und lokal existierende Probleme nicht theologischer, sondern politischer Natur seien.

 

Der Auftrag der Kirchen kennt keine nationalen Grenzen

 

Der Wiener Ostkirchen-Generalvikar Yuriy Kolasa wies in einem Interview mit Kathpress darauf hin, dass Europa und die Europäische Union für die katholischen Ostkirchen ein wichtiges Thema seien. Angesichts der Tatsache, dass einige Länder ihre eigenen nationalen Interessen zu sehr in den Vordergrund stellen, stellt sich die Frage nach der Rolle der Kirchen im öffentlichen Diskurs. Die Kirchen haben den Auftrag, Menschen über nationale Grenzen hinweg zu vereinen.

 

Ungarisch- griechisch- katholische Seelsorgestelle in Wien errichtet

 

Zum Abschluss der Tagung feierten die Bischöfe eine feierliche Liturgie in der griechisch-katholischen Kirche St. Barbara in der Wiener Postgasse, der das Oberhaupt der ungarisch-griechisch-katholischen Kirche, Metropolit Fülöp Kocsis, vorstand. Am Ende der Liturgie wurde die Errichtung einer eigenen Seelsorgestelle für die Angehörigen dieser katholischen Teilkirche bekanntgegeben. Die ungarischen Gläubigen des byzantinischen Ritus seien in Österreich gut integriert, jedoch sei es wichtig, Gottesdienste auch in der eigenen ungarischen Sprache und im eigenen byzantinischen Ritus zu feiern, wie Kocsis betonte.